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La Famillie (08.03.2006)





Eines von Bourgeois´ bekanntesten Werken war im Sommer 2004 im Schlosspark Wendlinghausen im Kreis Lippe zu sehen: Die Spinne. In ihrer Mythologie ist sie die Urmutter, die Familie, die zugleich schützt aber auch einfängt.




Von Manfred Horn

In einer groß angelegten Retrospektive stellt die Kunsthalle Bielefeld 120 Hauptwerke der großen Künstlerin als eine Auseinandersetzung mit der Familie vor. Es werden zwanzig Gemälde, mehr als sechzig Zeichnungen, fünfunddreißig Skulpturen und mehreren Mappenwerken aus der Zeit von 1936 bis 2005 gezeigt.

Die Angst, nicht als Junge, sondern als unerwünschtes Mädchen auf die Welt gekommen zu sein, die Angst, nicht gebraucht zu werden, die Angst, im konfliktreichen Leben der Eltern als bloße Schachfigur zu dienen, die Angst schließlich, als Ehefrau, Mutter und Künstlerin zu versagen: Louise Bourgeois, 1911 in Paris geboren, studierte zuerst an der Sorbonne Mathematik und Geometrie, um ab 1936 mehrere Pariser Kunstschulen und Künstlerateliers zu besuchen. An der Ecole du Louvre belegte sie das Fach Kunstgeschichte. Für ihren Ehemann Robert Goldwater, einen Kurator am Museum of Modern Art, verließ sie 1938 ohne Studienabschluss die Heimat und ging nach New York. 1940 adoptierten beide ihren ersten Sohn, Michel, bis 1941 gebar sie selbst zwei Söhne, Jean-Louis und Alain.

Ihr künstlerisches Werk, anfangs vor allem Gemälde zum Thema Familie, die in erheblicher Zahl zum ersten Mal in Bielefeld gezeigt werden, kreist nahezu ausschließlich um die Angst, mit ihrer Rolle nicht fertig zu werden. Es gibt die Frau als Körper ohne Arme, der ein Haus auf den Kopf gestülpt ist. Ihr Bildraum ist schmal und hoch, so dass sie sich nicht setzen und ausruhen kann. Die Kinder selbst und alle Familienmitglieder werden zu Beginn ihrer bildhauerischen Arbeit als Pflöcke, die schicksalhaft im Boden stecken, dargestellt. Die Körper weisen Fenster und Durchblicke auf, gelegentlich tragen sie Päckchen. Als »Personnages«, wie sie sie nennt, wirken sie stumm und gelähmt. 1968 entsteht »Fillette«, eine penisartige Latexform, die von einem Metalldraht durchbohrt von der Decke hängt. Mit »Destruction of the Father«, einem von Stoff umhüllten, mit Latex überzogenen Altar, geht sie ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes auf theatralische Weise dem väterlichen Element in ihrem Leben nach. Später entstehen die »Cells«, große metallische Räume, in denen ihre Kindheit dargestellt wird.

Die Ausstellung wird durch die Kunststiftung NRW und die Kulturstiftung Pro Bielefeld unterstützt. Im Rahmenprogramm der Kunsthalle finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Extra für die Ausstellung hat sich ein ›Louise Bourgeois-Fan Club‹ gegründet. Er führt ebenfalls Veranstaltungen zur Ausstellung durch. Sie finden zum größten Teil in der auto-kultur-werkstatt (akw) statt. Das akw will KünstlerInnen Raum geben, sich interdisziplinär in Projekten auszuprobieren, vorzugsweise im Bereich der experimentellen Kunst.



Veranstaltungen des Louise-Bourgeois-Fan-Club (Veranstaltungen wenn nicht anders angegeben in der auto-kultur-werkstatt (akw), Teichstr. 32, 33615 Bielefeld

8.03.06, 18 Uhr
Projektwerkstatt: Objektherstellung, merchandise für den Kiosk,
Elke Werneburg

12.03.06, 11.30 Uhr
Besuch der Eröffnung der Ausstellung in der Kunsthalle
Bielefeld

15.03.06, 18 Uhr
Medienabend zu Louise Bourgeois
»Berührungsangst«,Video, (Carmen Burian, Christina
Thomas, Elke Werneburg)
Interview mit Louise Bourgeois, (Roswitha Hornschu)
»ding fest machen«, Hörspiel ( Ulrike Haage, Berlin)

29.03.06, 18 Uhr
Führung in der Kunsthalle mit Christiane Heuwinkel
(angefragt)