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Studierende für Numerus Clausus (27.10.2004)





In der Halle ist noch eine Ecke frei: Studierende in Platznot


Obwohl die Zahl der Studierenden zurückgeht, platzt die Uni aus allen Nähten. Gründe und Lösungsmöglichkeiten für das Problem waren Thema einer Versammlung von Studierenden am vergangenen Donnerstag. Dabei forderten einige eine Zugangsbeschränkung per Numerus Clausus.



Von Mario A. Sarcletti

Gut fünfhundert Studierende fanden sich am vergangenen Donnerstag im Audi Max der Universität ein, um mit Vertretern des Rektorats und einigen Dekaninnen und Dekanen über die Raumnot an der Universität zu beraten. Denn obwohl die Universität gegenüber dem Vorjahr mehr als zweitausend Studierende aufgrund der Studiengebühren »verloren hat«, platzen die Räumlichkeiten der Hochschule aus allen Nähten.

So berichtet die Germanistikstudentin Janina von »hoffnungslos überfüllten Seminarräumen«. Wenn sie in die überhaupt reingekommen ist. »Wir saßen in Seminaren, denen wir nicht zugewiesen waren und sind da erstmal wieder rausgeflogen«, erzählt sie im Audi Max. Denn seit diesem Semester müssen sich Studierende der Germanistik für die Seminare anmelden, aber nicht alle erhalten eine Zusage.

Gemeinsam mit Kommilitonen ihres Fachbereichs beschloss Janina aktiv zu werden. Die Germanistik-Studierenden sammelten Unterschriften, gingen zur Fakultätskonferenz um auf das Problem aufmerksam zu machen. Ihre Bemühungen wurden vom Allgemeinen Studierendenausschuss unterstützt, der die Versammlung am Donnerstag organisierte.

Auf der erklärte Rektor Dieter Timmermann, dass das Problem auch von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft verschuldet wurde. » Das Rektorat hat der Fakultät vorgegeben, einen Numerus Clausus für Germanistik einzuführen. Die Fakultät war dazu erst nicht bereit«, erinnert er. So nahmen vor zwei Jahren sechshundert Studierende ein Germanistikstudium auf. Die Fakultät bemerkte zu spät, dass sie für diese Zahl nicht die Kapazitäten hat und führte den Numerus Clausus ein. Die Hochschulleitung hatte das Problem jedoch schon vor Einführung der Bachelorstudiengänge prognostiziert. Denn in denen gilt bei den meisten Lehrveranstaltungen Präsenzpflicht. Während die Studierenden in den »alten« Diplom-, Magister- und Lehramtsstudiengängen eigenverantwortlich im Selbststudium lernen konnten, findet für die Bachelorstudierenden Lernen vor allem im Seminarraum und Hörsaal statt.

Das führte zu einem weiteren Problem, das am Donnerstag Thema im Audi Max war: Die Überschneidung von Pflichtveranstaltungen. Denn den Studierenden ist ein straffer Stundenplan vorgegeben, in den »alten« Studiengängen bestanden mehr Wahlmöglichkeiten. Aber nicht die wünschen sich die Bachelorstudierenden. Vielmehr forderten am Donnerstag mehrere Rednerinnen die Einführung eines Numerus Clausus auch in anderen Fächern. »Wir Germanisten haben einen NC und kommen in ein Seminar nicht rein, weil das auch für Literaturwissenschaftler und Linguisten geöffnet ist, die keinen haben«, klagte eine Studentin. Ein Vertreter der Fakultät machte jedoch klar, dass es umgekehrt Literaturwissenschaftsseminare waren, die aufgrund der Probleme der Germanisten auch für diese geöffnet wurden.