Webwecker Bielefeld: 2001

2001



Kulturpolitik in Bielefeld (bis November 2001)


21. November

StadtBlatt - die Lage ist mehr als ernst


Das Erscheinen des Bielefelder StadtBlatt ist nur noch bis 29. November gesichert. Danach kann es nur noch mit weniger Seiten, die von weniger Personal gemacht werden, erscheinen. Wenn überhaupt. Kurz vor seinem 25. Geburtstag droht dem engagierten Bielefelder Wochenblatt das Ende. Es fehlt an Geld, Anzeigen, die Auflage ist zu gering und die neuen Gesellschafter sind so gut wie aus dem Projekt ausgestiegen. Fraglich ist, ob die MitarbeiterInnen unter solch schweren Bedingungen das Blatt selbstverwaltet herausbringen werden.

Oetker lehnt Uni-Ehrenbürgerschaft ab

In einem Gespräch mit dem Rektor der Universität, Prof. Dr. Dieter Timmermann, und dem Kanzler Hans-Jürgen Simm hat Rudolf August Oetker eine mögliche Ehrenbürgerschaft der Universität Bielefeld abgelehnt. Die zu würdigenden Verdienste lägen zu lange zurück. Oetker hatte sich in der Gründungsphase um die neue Universität Bielefeld verdient gemacht.

Theater-Ensemble fordert neue Spielstätte

Das Ensemble des Stadttheaters wird politisch. Die Vorstellungen im Bielefelder Stadttheater enden neuerdings mit einer Ansprache an das Publikum zur Misere des Theaters. Die BesucherInnen werden über die marode Spieltechnik informiert. Danach werden Unterschriften gesammelt. Die SchauspielerInnen fordern einen sofortigen Umzug in eine neue Spielstätte.


14. November

Bald ein selbstverwaltetes StadtBlatt?


Die Nachricht kam überraschend und auch wieder nicht: Der Rettungsversuch der "Medien-Beteiligungs-GmbH" für das Bielefelder StadtBlatt ist gescheitert. Die GmbH von Reiner Kirst, Susanne Schaefer-Dieterle und Michael Winter konnte das für einen Neuanfang notwendige Geld nicht aufbringen. Nun überlegen die RedakteurInnen und anderen MitarbeiterInnen, ob sie das StadtBlatt in Selbstverwaltung übernehmen wollen. Bis Freitag müssen sie sich entscheiden. Wer das Bielefelder StadtBlatt mit Ideen, neuen Abos, Spenden oder am besten mit bezahlten Anzeigen unterstützen will, sollte rasch Kontakt mit der Redakteurin Astrid Paulsen aufnehmen. Mutmachen ist das Gebot der Stunde.

kultur sommer, kultur winter, kultur frühling

Kimpel
Im Jahres-zeitenrausch: Andreas Kimpel.
In Bielefeld gibt es nun Kultur extra, gesponsert von BGW, Stadtwerke, IKK, Herforder Pils, Bielefeld Marketing, Sparkasse und Mercedes. "kulturextra" heißt das Zauberwort eines "innovativen Kultursponsoring", wie es die Stadt nennt. Mit ihm will Andreas Kimpel, Leiter des Bielefelder Kulturamtes, internationale Festivals, Theaterinszenierungen, Kleinkunst, Konzerte, Mitmach-Aktionen und Filmvorführungen in Bielefeld initiieren. Die Sponsoren helfen all die schönen Kultur-Events finanzieren. Und Radio Bielefeld liefert die Trailer. Das Sponsoring soll keine Eintagsfliege sein, sondern es wird eine "neue Kulturpartnerschaft" mit "Nachhaltigkeit und Kontinuität", entstehen, wie es neudeutsch in der Presseerklärung der Stadt heißt. Im Klartext heißt das, dass Kulturamt erhält Sponsorengeld für zunächst vier Jahre. So kann neben den Programmen des "kultur sommer" und "kultur winter" nun auch ein "kultur frühling" entstehen. So viele kulturelle Jahreszeiten gab es noch nie im regengrauen, jahreszeitenlosen Bielefeld. Irgendwie Antonio Vivaldi abgelauscht. Kimpel ganz euphorisch ob seines großen Coups: "Außerdem schafft der Dialog zwischen Kultur und Wirtschaft neue Impulse für unkonventionelles Denken und Handeln auf beiden Seiten. Und hiervon profitieren letztlich alle!" Großes Fragezeichen!!

Kommt das Theaterzelt doch nicht?

Theater
Eben ersatzlos.
Regt sich bei den Politikern der CDU im Stadtrat das soziale Gewissen? Die teure "Ersatzspielstätte" Theaterzelt für das marode Stadttheater wird wegen der angespannten Haushaltslage bei den Christdemokraten in Frage gestellt. Wenn im sozialen Bereich gespart werden muß, kann sich die Stadt dann ein Millionen-Zelt für die Hochkultur leisten? Kulturdezernent Rainer Ludwig will Zeit gewinnen und die Beschlussvorlage zum Theaterersatz erst im Dezember vorlegen. Ohne Zelt ist allerdings der Spielplan in Gefahr und erhebliche Einnahmeausfälle drohen. Die SPD spricht sich für die Prüfung einer Erweiterung der Stadthalle aus, die das Theater dann zwischenzeitlich nutzen könnte.

AIDS und Poesie - PreisträgerInnen lesen zum Weltaidstag

Zum Weltaidstag, am 1. Dezember, präsentiert die AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. die besten Beiträge ihres Poesiewettbewerbs "AIDS und Poesie". Zum Poesiewettbewerb Frauen und AIDS wurden mehr als 50 Texte eingereicht. Die drei von der Jury prämierten Beiträge werden am 23. November um 20.00 Uhr in Schäfer's Café vorgetragen und zur Diskussion gestellt. Am Wettbewerb Schwules Leben und AIDS haben sich 17 Autoren mit 66 Beiträgen beteiligt. Drei Autoren lesen am 1. Dezember um 20.00 Uhr in Schäfer's Café aus ihren prämierten Werken.

Preis für ein Eselsohr

Die digitale Version der von sogenannten funktionalen Analphabeten in einem Programm der Bielefelder Volkshochschule entwickelten Zeitschrift Eselsohr hat einen zweiten Preis im Wettbewerb Internet für Einsteiger erhalten. Der mit rund 2000 € dotierte Preis wird von der Bertelsmann Stiftung, dem Deutschen Volkshochschul-Verband und der Zeitschrift Stern vergeben.


22. Oktober

Kommt ein Fachbereich einer Frauenuniversität nach Bielefeld?

In Deutschland soll möglicherweise eine Frauenuniversität entstehen. Es ist höchste Zeit. Denn viele erfolgreiche Frauen in den USA graduieren sich dort an einer Frauenuniversität. Hierzulande ist das nicht möglich. Aber es gibt Hoffnung. Und gut für Bielefeld, ein Fachbereich, der sich mit Globalisierung und Entwicklung beschäftigt, soll möglicherweise an der Universität Bielefeld entstehen. Wie die Pressestelle der Universität mitteilte, hat sich Bielefeld mit seinem Interdisziplinären Frauenforschungszentrum für die neue Einrichtung qualifiziert.


15. Oktober

Cinestar will auch künstlerischen Film bieten

Das Multiplex-Kino Cinestar hat nun auch den künstlerischen Film entdeckt und will den Kunstfilm in ihr reguläres Programm aufnehmen. Gräbt das große Kino nun der Kamera und dem Lichtwerk das Wasser ab? Keine Angst, denn beide Lichtspielhäuser sind mit ihrer Kompetenz in Filmauswahl wohl kaum von den herkömmlichen Multiplex-Machern zu überbieten. Hoffentlich wissen das auch die KinobesucherInnen zu schätzen. Lieber ein Multiplex weniger in Bielefeld als eine Kamera oder ein Lichtwerk. Überflüssige Filme gibt es im overscreenten Bielefeld schon genug.


8. Oktober

Ein oder zwei Nebenstellen der Stadtbibliothek sollen geschlossen werden

Der Etat der Stadtbibliothek ist eng, die Nutzerzahlen gehen zurück, das Medienangebot ist nicht immer aktuell. Die Misere der Stadtbibliothek ist bekannt. Nun haben Oberbürgermeister und Dezernenten beschlossen, ein oder zwei Nebenstellen der Stadtbibliothek zu schließen. Das Geld, das dadurch eingespart werde, solle dem Anschaffungsetat der Stadtbibliothek zu gute kommen, so Kulturdezernent Rainer Ludwig.


24. September

Theaterzelt an der Universität

Stadttheater
Schnöde Welt: Durch ein Zelt ersetzt.
Ein Platz für das Theaterzelt ist gefunden. Auf dem Parkplatz hinter der Universität soll eine Theaterspielstätte - "Zelt" sei nur ein Arbeitstitel und, dass es die ZuschauerInnen darin warm und bequem haben werden, sagt Kulturdezernent Rainer Ludwig - entstehen, die das marode Stadttheater während seiner Renovierung ersetzen soll. Aber Vorsicht. Es gibt Fälle, da wollen die ZuschauerInnen später das Zelt gar nicht mehr verlassen. Die Renovierung des Stadttheaters bis 2004 muss also gelingen.

Beim StadtBlatt geht's weiter

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Nach dem Insolvenzantrag scheint das Bielefelder StadtBlatt nun doch weiter zu machen. Eine wichtige publizistische Stimme ist für Bielefeld gerettet. Es soll eine neue "StadtBlatt Medien-Beteiligungs GmbH" mit zunächst drei Gesellschaftern gegründet werden, die das Kapital für den Neustart beschaffen soll. Gesellschafter sollen Michael Winter, Mitgründer des StadtBlatt und heute Geschäftsführer der Werbeagentur Meinders & Winter, die Journalistin und Inhaberin der Firma ssd Kommunikation-Management, Susanne Schaefer-Dieterle, und der frühere NW-Chefredakteur und Verlagsberater Reiner Kirst werden. Zum Weiterbetrieb des StadtBlatts sind nach eigenen Angaben zusätzlich 200.00 Mark notwendig, die durch stille Beteiligungen an der neuen GmbH aufgebracht werden sollen.


17. September

Alphabetisierungsarbeit mit einem UNESCO-Preis geehrt


Lohn der Alphabetisierungsarbeit: Marion Döbert nimmt UNESCO-Preis entgegen.
Einen Tag später hätte alles anders ausgesehen. Am Montag, den 10. September, aber gab es noch eine festliche und glückliche Feier im UNESCO- Hauptgebäude in Paris. In Gegenwart des Generaldirektors der UNESCO, Koichiro Matsuura, wurden die diesjährigen internationalen Alphabetisierungspreise an engagierte Einrichtungen in Neuseeland, Brasilien, China, Haiti, Ruanda, Indien, Israel, Marokko und Deutschland verliehen. Für den Bundesverband Alphabetisierung e.V. nahm Marion Döbert, Fachbereichsleiterin an der Volkshochschule Bielefeld und Vorstandsmitglied des Verbandes, die Urkunde im Rahmen der Feierlichkeiten entgegen.


10. September

Theater im Zelt

Theater
Marodes Theater wird durch Zelt ersetzt.
Sicher hätte man es vorher wissen können. Die Intendanten des Bielefelder Stadttheaters hatten schon lange eine Renovierung des Stadttheaters angemahnt. Nun kommen alle von Oberbürgermeister Eberhard David im Rat durchgedrückten Beschlüsse zu einer noch rascheren Sanierung des Stadttheaters als ursprünglich geplant, doch zu spät. Ein von Stadt und Gemeinde-Unfallversicherungsverband in Auftrag gegebenes TÜV-Gutachten hat Mängel in der Bühnentechnik beanstandet. Der Probebetrieb des Stadttheaters wurde eingeschränkt und bald soll in einem Theater-Zelt, möglicherweise auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbades, gespielt werden. Muss erst die Prüfung durch eine Versicherung den Verantwortlichen der Stadtverwaltung vor Augen führen, wie marode die Technik des fast einhundert Jahre alten Theaters ist? Im September beginnt die neue Spielzeit und die TheaterabonnentIn reibt sich ungläubig die Augen. Aber den Otello soll's doch geben. Erst wenn es im Winter das Theater-Zelt nicht gibt, soll es zu Einschränkungen des Programms kommen, so Stadttheater-Intendantin Regula Gerber auf einer Pressekonferenz. Die Chefsache Theatersanierung macht dem Oberbürgermeister Eberhard David zurzeit keine Freude.


3. September

Für schnelle Theatersanierung muss Stadtrats-Demokratie weichen

Auf Wunsch von OB Eberhard David soll die Renovierung des Stadttheaters forciert von statten gehen. Ab 5. Mai 2003 soll schon umgebaut werden. Geplant war eine Auftragsvergabe bis Mai 2003. Deshalb sollen nicht mehr alle Ausschüsse über das Prestigeprojekt beraten und beschließen, sondern nur noch der Hauptausschuss soll für alle Fragen und Entscheidungen zuständig sein. Und der Stadtrat stimmte dieser kleinen Entmachtung seiner ansonsten für Kulturfragen zuständigen Ausschüsse zu. Nur Grüne und PDS hielten im Stadtrat das Verfahren für "undemokratisch".


27. August

Vesper für freie Theater

In einem Interview der NW zur Finanzierung der Stadttheater in NRW spricht sich NRW-Kulturminister Dr. Michael Vesper für ein Engagement der Städte für ihre freien Theater aus. "Die freien Theater werden längst nicht mehr als Protestbewegung gegen das etablierte Theater, sondern zu Recht als Ergänzung der Stadttheater angesehen.", so Vesper. Die Etats dieser Theater aber lägen oft deutlich unter einer Million Mark. Das die freien Theater mit weniger Geld als die etablierten Stadttheater auskämen dürfe nicht dazu führen, "dass man sie zunehmend vernachlässigt", sagte der Kulturminister.


20. Juli

Misere der Stadtbibliothek geht weiter - holocaust-verleugnende Literatur in den Regalen

Stadtbibliothek
Stadtbibliothek in der Krise.
Die Ausleihen in der Stadtbibliothek sind für eine Großstadt zu gering. Der Service läßt zu wünschen übrig: Anschaffungsvorschläge werden nicht bearbeitet. Nun hat nach einem Bericht des Bielefelder StadtBlatts ein Oberstufenkollegiat den Holocaust verleugnende Literatur in den Regalen der Bibliothek gefunden. Bibliotheksleiter Harald Pilzer will die Bände aber nicht aus der Bibliothek entfernen, sondern sie weiterhin im Magazin - schwerer zugänglich - lagern.





6. Juli

Sanierung des Stadttheaters: Grüne schlagen BürgerInnenversammlung vor

Stadttheater
Eine Zukunft nur mit Hilfe der BürgerInnen.
Für eine Einbeziehung vieler Bielefelder BürgerInnen in die Diskussion um die Gründung einer Stiftung zur Sanierung des Stadttheaters sprechen sich die Bielefelder Grünen aus. Grundsätzlich hält die Ratsfraktion der Partei die Stiftungslösung für den richtigen Weg, allerdings kann eine Stiftung nicht von oben "verordnet" werden, sondern sie kann nur erfolgreich sein, wenn sie von einem breiten bürgerschaftlichen Engagement getragen wird, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung. Fraktionssprecherin Dr. Inge Schulze: "Wir schlagen vor, eine große öffentliche Veranstaltung zu machen, auf der das Sanierungsvorhaben dargestellt und der Stiftungsgedanke erläutert wird. Nur so können wir die Bielefelderinnen und Bielefelder ansprechen, die wir für dieses wichtige Projekt brauchen. Wir werden OB David bitten, so bald als möglich eine solche Bürgerversammlung einzuberufen."

Grüne: Theaterlabor ist untersubventioniert - ein Runder Tisch muss das ändern

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Zu wenig Geld von der Stadt.
Zur Behebung der finanziellen Krise des Theaterlabors schlagen die Bielefelder Grünen dem Oberbürgermeister vor, an einem Runden Tisch mit Land, Bezirksregierung und der OWL-Marketing-Gesellschaft Lösungen für das Theater zu erarbeiten. Keine vergleichbare Großstadt in Nordrhein-Westfalen halte eine solch renommierte freie Bühne derart un-angemessen knapp wie Bielefeld sein Theaterlabor, schreiben die Grünen in einer Presseerklärung. Das Theater sei untersubventioniert. Das habe sich nach dem Umzug ins "Tor 6" noch verschärft. Die vom Land mit dem Theaterlabor ermöglichte Verbesserung der Kultur in Bielefeld habe die politische Mehrheit nicht als Herausforderung begriffen, ihre eigene Zuschusspolitik gegenüber dem Theaterlabor wie gegenüber der freien Kulturszene insgesamt zu überdenken und finanziell konsequent zu handeln. Auch wenn die Ursachen für die aktuellen Probleme des Theaterlabors sicherlich viel-fältig sind, liegt für die Grünen eine in der Unterfinanzierung des Theaters durch die Stadt.

Stadtbibliothek: Medienausstattung und Kundenservice - ein Trauerspiel

Die größte Kultureinrichtung in Bielefeld ist ein Trauerspiel. Mit ihrem Etat für die Beschaffung neuer Medien nimmt Bielefeld unter den 30 Großstadtbibliotheken des Landes NRW den letzten Platz ein. Nicht einmal eine Million Medien werden jährlich in der Bibliothek und ihren zehn Zweigstellen ausgeliehen. Auch die Leitung der Bibliothek spricht von geringen Ausleihzahlen. Kein Wunder, denn neue Bücher sind Mangelware. Kundenorientierung ist auch nicht die starke Seite der Bibliothek. Es kann einem Nutzer der Stadtbibliothek, der einen Bestellungsvorschlag macht, passieren, dass er monatelang nichts von der Bibliothek hört. Der neue Roman des Schweizer Romanciers Adolf Muschg "Sutters Glück" sei zwar anschaffenswert, hört man auf Nachfrage, aber es gebe kein Geld für Neuanschaffungen. Die Stadt sei noch in Haushaltsberatungen. Nach der Verabschiedung des Haushalts wieder Vertröstungen: Die Sache benötige im Haus noch etwas Zeit. So verliert die Stadtbibliothek auch gutwillige Nutzer. Wer will schon erst nach einem Jahr aktuelle moderne Literatur in Händen halten? Bestellungsvorschläge scheinen sehr selten von Nutzer gemacht zu werden - das spricht Bände über die Zusammenarbeit der Bibliothek mit ihren Nutzern. Die Bibliothek benötigt dringend mehr Geld, aber auch Kundenorientierung.


22. Juni

Spenden für die Wehrmachtsausstellung sind erwünscht


Anfang des nächsten Jahres wird die neu bearbeitete Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944 des Hamburger Instituts für Sozialforschung im Historischen Museum in Bielefeld zu sehen sein. Der Initiativkreis bittet alle Bielefelderinnen und Bielefelder, sich mit Spenden an dieser wichtigen Ausstellung zu beteiligen. Der Rat der Stadt Bielefeld hat eine finanzielle an der Ausstellung bisher abgelehnt.

Stiftung soll das Stadttheater sanieren

Einstimmig hat der Finanzausschuss der Stadt Bielefeld die Sanierung des hundertjährigen Gebäudes des Stadttheaters auf den Weg gebracht. Eine "Bürgerstiftung" soll Geld für die Sanierung des Theaters sammeln. Die Sanierungskosten werden auf 60 Millionen Mark geschätzt. Der Eigenanteil der Stadt wurde auf 20 Millionen Mark begrenzt. Zum 100-jährigen Bestehen des Hauses im Jahr 2004 soll es in gutem Zustand sein. Ratsherr Andreas Bothe (FDP) bezweifelte, ob eine Stiftung, dass Geld für die Sanierung zusammenbringen könne. In einem ähnlichen Fall seien in Hamburg nur zehn Millionen Mark über eine Stiftung zusammengekommen. Hans Hamann (SPD) kritisierte die Folgekosten von sechs Millionen Mark. Aber alle Ausschuss-Mitglieder stimmten schließlich zu, einen Planungsauftrag für Architektenleistungen und Bühnentechnik des Stadttheaters zu erteilen. Auch der Kulturausschuss stimmte der Gründung einer Stiftung zu. Der Rat der Stadt debattiert das Thema Ende des Monats.

Steht das Theaterlabor vor der Pleite?

Nach einem Bericht der NW ist das Theaterlabor im Dürkopp Tor 6 nicht mehr zahlungsfähig. Zahlungen an Gläubiger seien eingestellt worden. Hat sich das Theaterlabor mit dem Umzug aus der Lerchenstraße in das neue Theater in Dürkopp Tor 6 übernommen und die Resonanz des Publikum zu hoch eingeschätzt? Es scheint so. Denn die bisherige Förderung von der Stadt von 50.000 Mark, 315.114 Mark durch den Immobilienservice der Stadt Bielefeld, der die Gebäudekosten übernimmt, und 140.000 Mark Landesfördermittel reichen zur Finanzierung des Theaters nicht aus. Kulturamtsleiter Anreas Kimpel sieht derzeit keinen weiteren finanziellen Spielraum der Stadt. Der Ruf nach Mäzen wird laut. Ein wichtiges Projekt der Bielefelder Theaterlandschaft ist in Gefahr.

Bleibt die Sammlung Marzona in Bielefeld?

"Trotz knapper öffentlicher Kassen sollten wir ins uns gehen", sagte Oberbürgermeister Eberhard David bei der Eröffnung der Ausstellung "Art Works: Sammlung Marzona - Kunst um 1968" in der Bielefelder Kunsthalle. David betonte, dass der Sammler Egidio Marzona 100 Werke als Dauerleihgabe versprochen habe, wenn die Kunsthalle erweitert werde. David wörtlich: "Wir wollen die Bindung dieser Sammlung an unsere Stadt". An der Sammlung seien auch andere Städte interessiert, auch die Nationalgalerie in Berlin. Der Deutschitaliener Egidio Marzona hat früher Galerien in Bielefeld betrieben. Konkrete Pläne über eine Erweiterung der Kunsthalle gibt es derzeit in Bielefeld aber nicht. David will demnächst mit Kunsthallen-Direktor Dr. Thomas Kellein, Egidio Marzona und dem Vorsitzenden des Fördervereins der Kunsthalle, Sigurd Prinz, ein Gespräch über die Erweiterung der Kunsthalle und über die Sammlung Marzona führen.


15. Juni

David: Drei-Sparten-Haus sichern

Die Sanierung des Theaters soll über eine Stiftung gesichert werden [graue Unterzeile Oberbürgermeister Eberhard David wird dem Rat in seiner Sitzung am 28. Juni vorschlagen, die Planungsleistungen für Architektur und Bühnentechnik zur Sanierung des Stadttheaters zu beauftragen. Die Sanierung in Höhe von etwa 56 Millionen Mark soll über eine Stiftung finanziert werden. Die marode Substanz des Stadttheaters soll erneuert werden. "Es muss jetzt endlich konkret der erste Schritt getan werden, damit auch in Zukunft in Bielefeld der Spielbetrieb für unser Drei-Spartenhaus gesichert ist", sagte David bei einer Pressekonferenz.

Vesper: Parkhaus an der Welle überdenken

NRW-Bauminsiter Dr. Michael Vesper regte bei einem Besuch der Ausgrabungsstätte an der Welle an, die archäologischen Funde an der Welle einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Falls es eine Alternative zum Bau des geplanten Parkhauses im Jahr 2002 gäbe, solle die geprüft werden, meinte Vesper.


1. Juni

Nach 270 Tagen zieht Theaterlabor Bilanz

Nach dem furiosen Start mit dem internationalen Theaterfestival "360°" hat sich das Theaterzentrum "Theaterlabor im Tor 6" mit 88 Veranstaltungen und gut 10 000 Zuschauern als Veranstaltungsort in Bielefeld etabliert. Dabei ist das "Theaterlabor im Tor 6" zum einen für Veranstalter und Kulturgruppen wichtig, weil sie nun nicht mehr auf Aulen und andere, für Theater und Tanz eigentlich unzulängliche Räume angewiesen sind. Sie können nun ihre Arbeit in einem richtigen Theater und angemessenem Rahmen zeigen. Zum anderen bedeutet es für die Menschen in Bielefeld und Umgebung ein neuen Ort der Kultur, an dem ein abwechslungsreiches und hochwertiges Programm angeboten wird. Das wird auch an den durchschnittlichen Zuschauerzahlen deutlich, jetzt im Mai liegt er der Schnitt bei 208 Zuschauern pro Veranstaltung. Das ist für ein freies Theaterzentrum außergewöhnlich hoch.


10. Mai

Wehrmachtsaustellung kommt im Januar 2002 nach Bielefeld

Rees
Klaus Rees will die bürgerlichen Parteien im Stadtrat zur finanziellen Beteiliung an der Ausstellung bewegen.
Die Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" wird im November in Berlin eröffnet und anschließend im Januar 2002 sechs Wochen lang im Historischen Museum in Bielefeld zu sehen sein. Die Ausstellung ist keine Überarbeitung oder Korrektur der von 1995 bis 1999 in 33 Städten in Deutschland und Österreich gezeigten bisherigen Ausstellung, sondern sie folgt einem neuen Konzept, betonte Dr. Ulrike Jureit vom Hamburger Institut für Sozialforschung vergangene Woche bei einem Pressegespräch zur kommenden Ausstellung. Auch die neue Ausstellung halte an der Grundthese fest, dass die Wehrmacht als Organisation am Vernichtungskrieg beteiligt war. Ein Bielefelder Initiativkreis aus 25 gesellschaftlichen Gruppen, darunter auch Arbeit und Leben Bielefeld, der die Präsentation der Ausstellung in Bielefeld organisiert erarbeitet zurzeit ein Rahmenprogramm. 25.000 BeschucherInnen werden erwartet. Klaus Rees, Sprecher des Initiativkreises geht von 150.000 Mark Gesamtkosten aus, die zum großen Teil über Spenden gedeckt werden müssen. Die bürgerliche Mehrheit im Stadtrat hatte keine Finanzmittel für die Ausstellung bereitgestellt. Rees und der Initiativkreis wollen die bürgerlichen Ratsfraktionen bewegen, diesen Beschluss rückgängig zu machen. Starttermin der Ausstellung, die über die Themen Völkermord, Hungerpolitik, Partisanenkrieg, Kriegsgefangene, Repressalien und Deportationen informiert, soll der Holocaust-Gedenktag, der 27. Januar 2002 sein.


25. April

Stadtbibliothek noch schneller im Internet

Am Wochenende hat die Stadtbibliothek ihre Software aktualisiert. Jetzt können die am Internet angeschlossenen Bibliotheksnutzer auch per email mit der Stadtbibliothek kommunizieren. Die Bibliothek hat derzeit 25.000 Benutzer. Für die Mitarbeiter der Bibliothek wird es auch einfacher sein, die Ausleihkonten abzurufen.

4. April

Kein neues Museum für Natur und Umwelt

Naturkundemuseum (foto ch)
Bleibt wo es ist.
Der Stadtrat hat mit seiner konservativen Mehrheit entschieden: Es gibt kein neues Museum für Natur und Umwelt in Bielefeld. Auch ein neuer Antrag der SPD auf Vertagung der Entscheidung bis zur Haushaltsdebatte half in der Ratssitzung am 29. März nichts mehr. CDU-Fraktionschef Lux machte noch einmal finanzielle Gründe für die Ablehnung des Neubaus verantwortlich. Überzeugend klingt das nicht. Nach der Entscheidung kritisierte der Naturwissenschaftliche Verein, dass die Ablehnung kein positives Zeichen für ein Zusammenwachsen von Stadt, Region und Universität sei. Die Entscheidung stehe im krassen Missverhältnis zur Bedeutung der Naturwissenschaften und entmutige ehrenamtliches Engagement.

28. März

Museum für Natur und Umwelt: Entscheidungen, Entscheidungen ...

Der Kulturausschuss hat mit der Mehrheit der bürgerlichen Parteien am 21. März beantragt, auf den Neubau des Museums für Natur und Umwelt in der Alten Tischlerei im Ravensberger Park zu verzichten und den Standort des Naturkundemuseums an der Kreuzstraße zu erhalten. Dietrich Heine (CDU) sagte im Ausschuss: "Wir hätten den Neubau in der Alten Tischlerei auch gern gehabt. Aber uns fehlt das Geld." Sigrid Laux (SPD) forderte von den Mehrheitsparteien Ehrlichkeit:" Sie sollten klar sagen, dass sie das Theater wollen, aber das Naturkundemuseum nicht." Ein paar Tage später hat der Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss (UStA) mit acht zu sieben Stimmen ebenfalls bekräftigt, das bestehende Museum weiter zu betreiben und auf den Neubau zu verzichten. Die Bezirksvertretung Mitte dagegen stimmte mit elf zu sechs Stimmen einem Vorschlag der SPD zu, in der Ratssitzung am 29. März noch nicht über den Neubau des Museums zu entscheiden. Die Verwaltung soll die während der bisherigen Diskussion entstandenen Finanzierungs- und Konzeptfragen neu aufarbeiten. Erst während der Haushaltsberatungen der Stadt sollte über das Museum entschieden werden. Die Grünen wollen im Stadtrat beantragen, die Planungen zum Museumsbau wie vom Rat vor einem Jahr beschlossen, weiterzuführen. Dagegen empfiehlt die bürgerliche Mehrheit des UStA dem Stadtrat, diesen Grundsatzentschluss aufzuheben.


21. März

Mehrheitsparteien: Aus für ein neues Naturkundemuseum - Grüne schlagen freie Trägerschaft vor

Am Wochenende haben sich die Mehrheitsparteien aus CDU, BfB und FDP im Bielefelder Stadtrat geeinigt, kein neues Museum für Umwelt und Natur im Ravensberger Park zu bauen. Der CDU-Kulturexperte Dietrich Heine vertritt dazu der Auffassung, dass im Kulturbereich in Bielefeld Prioritäten gesetzt werden sollen. Die lägen derzeit bei der Theater- und Schulbausanierung. Die SPD aber pocht darauf, dass schon im März 2000 im Stadtrat einstimmig ein Entschluss gefasst worden sei, die Alte Tischlerei im Ravensberger Park für das Naturkunde Museum umzubauen. Die SPD will in der nächsten Stadtratssitzung am 29. März für den Bau des Museums kämpfen. Zwei Tage vorher unterbreitet sie im Kulturausschuss einen Alternativ-Vorschlag für das Museum. Die Grünen schlagen vor, die laufenden Kosten durch eine freie Trägerschaft des Museums, wie sie schon bei anderen Bielefelder Kultureinrichtungen praktiziert wird, zu decken. Der Historische Verein hat Oberbürgermeister Eberhard David aufgefordert, die Entscheidung gegen das Museum zu überdenken, und spricht von einer hervorragenden Zukunftsinvestition für die nachfolgende Generation. Woran liegt der Sinneswandel der bürgerlichen Parteien? Das Sparargument kann es kaum sein, da auch bei einer Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Millionen Mark der Anteil der Stadt unverändert bleibt. Bleibt nur die Machtpolitik. Das Projekt scheint zu grün. Mit Umwelt-Themen können (oder wollen) die konservativen Parteien in Bielefeld nicht politisch punkten. Für die Kultur der Stadt aber ist ein museumspädagogisch interessantes Museum, wie es die Leiterin Dr. Isolde Wrazidlo vorschlägt, wichtig.

9. März

Entscheidung zum Museum für Umwelt und Natur vertagt - unendliche Geschichte über drei Jahrhunderte

Die Entscheidung zum Neubau des Museums für Umwelt und Natur in Bielefeld ist auf der Sondersitzung des Rates am 8. März auf die nächste reguläre Ratssitzung am 29. März vertagt worden. Die SPD hatte die Vertagung beantragt, da sie noch Beratungsbedarf hat. Dr. Inge Schulze von den Grünen, die die Sondersitzung gefordert hatten, plädierte für den Neubau, der "kein grünes Projekt" sei. Allein an gestiegenen Betriebskosten dürfe der Bau nicht scheitern. Die bürgerliche Mehrheit im Rat will den Neubau weiterhin stoppen und das Museum im jetzigen Haus an der Kreuzstraße belassen. Die Räume dort sollen renoviert werden. Die BfB-Ratsfrau Maya Oetker sprach sich inzwischen für die Unterbringung des Museums in der Neuen Hechelei im Ravensberger Park aus. Das Gebäude wird derzeit vom Ordnungsamt genutzt. Wird das Museum nicht im Ravensberger Park gebaut, ist das Konzept eines Museums-Parks in Bielefeld wohl gestorben. Sollte das Museum nicht, wie bisher vorgesehen, in der Alten Tischlerei am Historischen Museum entstehen, hat der Betreiber der Gaststätte "Hechelei" Interesse an der Alten Tischlerei angemeldet. Er will dort ein multifunktionales Tagungs- und Bankettzentrum eröffnen. Die unendliche Geschichte der Unterbringung des Bielefelder Naturkundemuseum zieht sich nun seit den ersten Sammlungen von 1885 über drei Jahrhunderte hin. Wann kommt die optimale und vorzeigbare Lösung für die BürgerInnen der Stadt, für die das Museum da sein soll?


7. März

Verzicht auf Neubau des Naturkundemuseums bedeutet hohe Kosten und keine Innovation

Wird das neue Naturkundemuseum nicht gebaut, kostet diese Entscheidung die Stadt Bielefeld Geld. Bisher sind schon 650.000 Mark an Architektenkosten und Kosten des Immobilien-Service-Betriebes für die Planung des Museumsneubau entstanden. Nach der Panne mit den Computern für die Bielefelder Schulen wäre dies in kurzer Zeit die zweite große Verwaltungsschlappe bei Projektplanung und -finanzierung in Bielefeld. Außerdem könnte kein innovatives Museums-Konzept entstehen. Die Leiterin des Naturkundemuseums, Dr. Isolde Wrazidlo, spricht sich für eine Stärkung der Ausstellungen und der Museumspädagogik aus. Prof. Dr. Georg Ruppel, Vorsitzender des Fördervereins des Museums, wünscht sich das Wechselspiel zwischen Natur und Kulturgeschichte als Mittelpunkt des Museums. "Museum für Mensch und Natur" sollte das heutige Naturkundemuseum seiner Meinung nach in Zukunft heißen. Die Naturschutzverbände BUND, NABU und der Verein Pro Grün haben in einem Brief an Oberbürgermeister Eberhard David ein zeitgemäßes Naturkundemuseum in Bielefeld gefordert.

Michael Vesper und Eberhard David sprachen über Naturkunde-Museum und Stadttheater

Der NRW Bau-Minister Dr. Michael Vesper und Bielefelds Oberbürgermeister Eberhard David haben sich am 5. März zu einem Arbeitsgespräch in Bielefeld getroffen. Im Mittelpunkt des Gespräches standen die Themen "Naturkunde-Museum" und Stadttheater Bielefeld. Es wurde vereinbart, eine Arbeitsgruppe zum Thema Stadttheater unter Beteiligung des Ministeriums zu gründen. Vesper bekräftigte die Position seines Ministeriums zum Naturkunde-Museum und wies auf die bewilligten Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen hin. Um eine Realisierung des Museums noch zu ermöglichen, regte er an, eine private Stiftung zu gründen, um mit Hilfe von bürgerschaftlichem Engagement die Kulturinsel Ravensberger Park zu vollenden. David sagte, dass angesichts knapper Kassen die Frage der Folgekosten für ein neu gebautes Museum, die jährlich den städtischen Haushalt belasten würden, noch nicht gelöst seien.