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Gute Kolonialmacht Deutschland? (Teil 2)



Gemeinsam unternahmen die beiden aber nicht nur Vortragsreisen, sondern schlugen in Hamburg auch einen Arbeiteraufstand nieder. »Die Erinnerungen in Hamburg an diese Zeit sind immer noch sehr geteilt«, berichtet Heiko Möhle. »Von den einen wird er als Retter der Ordnung gesehen, von den andern wird er als einer gesehen, der mit brutaler Gewalt diesen Aufstand niedergeschlagen hat. In vielen Augenzeugenberichten ist überliefert, dass die Truppen in Hamburg auch gehaust haben wie eine Kolonialtruppe im Feindesland«, weiß Möhle. Unter anderem hissten sie auf dem Hamburger Rathaus die Reichskriegsflagge.

Angesichts dieser Assoziationen ist es kein Wunder, dass es in der Stadt um die Aufstellung der Askarireliefs lange Diskussionen gab. Die 1939 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne aufgestellte Skulptur sollte, nachdem die Bundeswehr das Gelände 1999 aufgegeben hat, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ausgerechnet Denkmäler aus der Nazizeit sollten nach dem Willen der »Traditionsverbände der Schutz- und Überseetruppen«, die an dem Denkmal regelmäßig Kränze niederlegten, und des Kulturkreises Jenfeld im Tansaniapark ein Zeichen der Völkerverständigung setzen.

Heiko Möhle und andere kritisierten das Projekt immer wieder. Das Ergebnis waren rechtsradikale Drohbriefe an die Kritiker des Tansaniaparks. Die Vorwürfe von rechts waren die gleichen, wie die gegen die so genannte Wehrmachtsausstellung: Die Angriffe gegen deutsche Soldaten würden deren Ansehen beschmutzen.

»Aber man kann nicht Denkmäler, die den Kolonialismus verherrlichen und dazu noch in der Nazizeit entstanden sind, einfach so kommentarlos in die Gegend stellen«, begründet Heiko Möhle sein Engagement trotz der Drohungen. Kann man doch, wie die Bielefelder Ausstellung zeigt. In der ist auch ein Kriegerdenkmal in Naziästhetik aus der Altstädter Nicolaikirche zu sehen. »Das ist doch bemerkenswert, dass ein Künstler aus München in ganz Deutschland Kriegerdenkmäler macht«, sagt dazu Helga Kambartel, die mit ihrem Mann die Ausstellung zusammenstellte. Was sie als Beweis für den Stellenwert Ruckteschells sieht, ist für andere Diskussionsteilnehmer in der Uni ein Hinweis darauf, dass dessen Werke eben nicht unkommentiert ausgestellt werden dürfen.

Einer von ihnen ist der Leiter des Ästhetischen Zentrums der Universität, das für die Ausstellungen in der Bibliothek verantwortlich ist. »Ich habe das Denkmal bei der Ausstellungseröffnung gesehen und war schockiert«, erklärt Klaus-Ove Kahrmann in der Diskussion. »Und ich hätte mir gewünscht, dass da jemand etwas zu dieser Ästhetik sagt«, so der Kunstprofessor, der sich lange mit Kriegerdenkmälern in Kirchen beschäftigte. Das sei bei der Eröffnung aber nicht passiert.

Helga und Walter Kambartel sehen auch keinen Grund, Ruckteschells Biographie weiter zu thematisieren, da die nicht Thema der Ausstellung sei. Das Äthetische Zentrum sieht das anders und hat eine Pinnwand für Diskussionsbeiträge in der Bibliothek aufgestellt.

Walter Kambarte steht am Mittwoch, 28. April, um 18 Uhr, in der Ausstellung für eine Diskussion über deren Form und Inhalt zur Verfügung